Trialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Leitbild des neu gegründeten Fortschrittsforums

Trialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik
Leitbild des neu gegründeten Fortschrittsforums

Einen Tag nach der Konstituierung des Fortschrittsforums veranstaltete die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Podiumsdiskussion. Die zentrale Frage des Forums „Wie wollen wir leben?“ soll gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Strukturen unter dem Aspekt der zukunftsorientierten Neuausrichtung vereinen.
Roland Schmidt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., begründet sein Engagement für den Fortschrift mit dem Glauben an eine neue bessere Zukunft. Gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung fördern die Hans-Böckler-Stiftung und die Otto-Brenner-Stiftung das parteiübergreifende Forum von SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Durch Experten ausgearbeitete Arbeitspapiere werden der Anfang dieses Jahres gegründeten Enquetekommission zugeleitet, die wiederum Empfehlungen an den Bundestag formuliert.
In drei Arbeitsgruppen werden Wachstum, Wohlstand und die Lebensqualität der Bevölkerung in Deutschland über die Landesgrenzen hinaus gerecht global betrachtet. Die weltweite Finanzkrise ist eine der Auswirkung mangelnder Globalpolitik, Proteste in Athen, New York und London die offene Antwort der Unzufriedenheit der Menschen. Diesen aktuellen Aufgaben stellt sich das Fortschrittsforum, indem es die Globalisierung nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene, sondern ebenfalls in der Politik und Wissenschaft über die Staatsgrenzen hinaus einbezieht. „Effektive nationale Politik muss immer auch globale Politik sein!“, so die Professorin Dr. Inge Kaul der Hertie School of Governance in Berlin. Vorausschauende Visionen schaffen, Stimm- und Prozessgerechtigkeit für alle Staaten, politische Gestaltungsmacht und verantwortungsvolle Souveränität sind daraus abgeleitete Schwerpunkte. Den Übergang Deutschlands aus der alten in eine neue Welt wird das Fortschrittsforum begleiten.
In den drei Arbeitsgruppen Bildung und Modernisierung, Arbeit und Leben sowie Wirtschaft und Wachstum vereinen sich Spezialisten verschiedener Bereiche und suchen nach praktikablen Lösungsansätzen. „People make the difference!“ ist die Überzeugung von Angela Gifford, Direktorin Microsoft Deutschland GmbH und Leiterin der ersten Arbeitsgruppe. Ihr Hauptgewicht liegt in der Untersuchung der heutigen Arbeitsskills unter zukunftsträchtigen Notwendigkeiten. Gifford plädiert auf ein breit gefächertes Grundwissen anstelle reduzierter spezifischer Fähigkeiten.
Die Suche nach Antworten auf die Frage nach sozialer Gerechtigkeit ist die Herausforderung der Arbeitsgruppe Arbeit und Leben unter der Leitung von Prof. Jutta Allmendinger, der Präsidentin des Wissenschaftszentrum Berlin. Erste Analysen bestätigten ein wachsendes materielles Ungleichgewicht neben der Ausbeutung von Arbeitnehmern. Die Forderung nach adäquaten Ausgangslagen und Chancengleichheit für alle wird im Zentrum der Fortschrittsforschung auf diesem Sektor stehen.
Ökologische Grenzen respektieren wird das Leitmotiv der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Wachstum unter Führung von Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Leiter des International Resource Panels, sein. Als Sprecher des Fortschrittsforums und Träger des Deutschen Umweltpreises setzt er sich für die Verzahnung nationaler und internationaler Ordnungspolitik ein. Eine industrielle Revolution unter Klimaaspekten soll den Weg in die Zukunft weisen.
Die zentrale Frage „Wie wollen wir leben?“ entwickelt sich in der Podiumsdiskussion zur Vision: „Wie können und müssen wir leben, damit unsere Welt auch noch in 50 Jahren existiert?“ Der Gestaltungs- und Wandlungswille ist bei vielen vorhanden. Das Wachstum muss allerdings mit der Nachhaltigkeit einhergehen. „Wir wissen schon viel. Es muss nur noch in die Köpfe und Herzen der politischen Aktiven“, beschließt Dr. Inge Kaul.
Text: Marlen Peters, Ronja Kareen Thiede, Jana Kwiatkowski

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (links), Arbeitsgruppenleiter Foto: Marlen Peters

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (links), Arbeitsgruppenleiter Foto: Marlen Peters


Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (links), Arbeitsgruppenleiter „Wirtschaft und Wachstum“ stellt sich weiteren Fragen nach der Podiumsdiskussion.
Foto: Marlen Peters

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