Massiver Strukturwandel in der deutschen Wirtschaft BERLIN – Am 15.01.2015

Massiver Strukturwandel in der deutschen Wirtschaft

Zukunftsfähige Infrastrukturen erfordern höhere Investitionen

 

BERLIN – Am 15.01.2015 referierte Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) zum Thema „Nachhaltige Zukunftssicherung durch private und öffentliche Investitionen“ im Berlin Capital Club. Im Anschluss daran stellte er sich den Fragen von Vertretern aus Wirtschaft und Politik.

 

„Wenn man es nicht anfassen kann, ist es nichts wert“, fasste Fratzscher die allgemeine Einstellung der deutschen Wirtschaft zur digitalen Infrastruktur zusammen. Hier ist ein Überdenken erforderlich. Europa einschließlich Deutschland müssen sich verjüngen und im digitalen Sektor aufholen, um wettbewerbsfähig im Vergleich zu den USA und Asien zu sein und langfristig zu werden. Die Börsenwerte führender Technologie-Unternehmen sind bereits jetzt schon höher als die der Industrie.

 

Im europäischen Vergleich gilt Deutschland noch immer als Wirtschaftskraft. Allerdings mahnt Fratzscher vor den Folgen fehlender Investitionen. Die deutsche Wirtschaft schreibt schwache schwarze Zahlen dank sinkendem Investitionsvolumen im öffentlichen Bereich. Insbesondere betrifft es hier die Bereiche Bildung, Verkehrs- und digitale Infrastruktur. Dies verhindere zwar die Anhäufung neuer Schulden, mindere allerdings auch das Staatsvermögen durch das Aussetzen der Bestandserhaltungen von Straßen und öffentlichen Gebäuden. Hier bringt er die These der „guten Schulden“ an. Investitionen in zukunftssichernde Projekte, wie etwa die Energiewende, sind hiernach Schulden, die sich lohnen, und deswegen gemacht werden sollten.

 

Eine der wirtschaftspolitischen Aufgaben wird es sein, den Standort Deutschland für private Investoren wieder attraktiver zu machen. So wurden 2013 von den führenden DAX-Unternehmen 37.000 Arbeitsplätze im Ausland geschaffen, im eigenen Land nur 6.000. Die Wahl der Unternehmensstandorte im Ausland begründet Fratzscher unter anderem mit Fachkräftemangel, steuerlichen Hürden und Unsicherheiten über die Entwicklung wichtiger Einflussfaktoren, wie etwa die EEG-Umlage.

 

Einen Strukturwandel sieht Fratzscher ebenfalls auf dem Arbeitsmarkt. Den wirtschaftspolitischen Erfolg der Halbierung der Arbeitslosenquote von 12 % auf 6 % innerhalb der letzten zehn Jahre sieht er kritisch. Deutschland habe zwar weniger Arbeitslose, das Problem der Unterbeschäftigung sowie der Niedriglöhne bestünde weiterhin. Jedoch berge die rasante Technologieentwicklung erhebliches Potential für die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Sind derzeit noch mehr als die Hälfte der Beschäftigten in der Industrie und industrienahen Dienstleistungen tätig, werden zukünftig andere Sektoren Fachkräfte binden: „Automatisierung ist eine Chance, die Kreativität zu nutzen, um Wohlstand zu schaffen.“

 

Text:

Yannick Bürger, Carolin Hahn, Jana Kwiatkowski

 

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